La Traviata - von Jugendwahn und Schönheitsdruck

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00:00:10: Ja, dann hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Theater to go.

00:00:14: Das ist der Podcast unseres Theaters Altenburgerer Und heute geht es um die Geschichte einer Frau Die auf den ersten Blick augenscheinlich vieles hat was man sich so wünscht als

00:00:23: Frau

00:00:24: Schönheit Erfolg bisschen Glamour Bewunderung.

00:00:28: sie wird gesehen von anderen und trotzdem steht sie ziemlich krass unter Druck.

00:00:33: Denn was passiert denn eigentlich in einer Welt, in der es immer um Schönheit und Jugend geht, weil man plötzlich nicht mehr jung und schön sein kann

00:00:39: oder will?

00:00:39: Wir sprechen über die Oper La Traviata von Giuseppe Verdi.

00:00:43: Ja, die Frage ist wie viel von dieser Geschichte steckt eigentlich schon in diesem Opernstoff drin?

00:00:49: Und wieviel kommt jetzt rein über die Lesart von zwei ja noch ziemlich jungen Künstlerinnen, die hier bei mir im Tun-Studio sind?

00:00:56: Ich begrüße Elena Maria Artisi.

00:00:59: Hallo,

00:01:01: hallo!

00:01:02: Ja super dass ihr da seid und das schon zum zweiten Mal.

00:01:05: Elena du bist Regisseurin, Mirjam du bist Kostüm- und Bühnenbildnerin Und es ist noch gar nicht so lange her.

00:01:11: Da haben wir uns ja schon mal gesehen Weil ihr nämlich die Opa Lucia di Lamamoa bei unserem Haus inszeniert habt.

00:01:18: Auch ziemlich erfolgreich Elena.

00:01:20: Du hast den Götz Friedrichpreis für junge Musiktheaterregie dafür bekommen oder wisst ihm zu kommen im November.

00:01:26: Also herzlich ein Glückwunsch dafür.

00:01:27: Dankeschön, ich freue mich voll.

00:01:29: Das ist natürlich jetzt auch vielleicht so eine kleine Messlatte.

00:01:32: Also die erste Produktion hier bei uns am Haus zwar auch ne große Oper, sie war sehr erfolgreich!

00:01:37: Jetzt seid ihr wieder zurück für einen weiteren großen Opernstoff.

00:01:41: was hat euch daran gereizt?

00:01:43: Ja, also es ist ja wieder sozusagen ein italienischer Opernklassiker für den wir auch gefragt wurden.

00:01:48: Also uns reizt das glaube ich auch dass wir aus diesen sehr traditionellen und wohl bekannten Opernstoffen einen Blick wagen oder suchen der mit uns etwas zu tun hat.

00:02:01: Das ist so der Grundansatz der glaube ich durch alle Arbeiten sich zieht.

00:02:06: Und das ist vielleicht gerade bei Opern, bei denen sehr viel Erwartungen im Publikum mitschwingen.

00:02:12: Weil es sehr bekannte Stücke oder Opernsind eine besondere nochmal Herausforderung.

00:02:19: Damit wir dann gleich drüber reden können was ihr alles anders macht oder anders lest in eurer Inszenierung.

00:02:25: lasst uns erstmal so ne gemeinsame Basis schaffen und erst mal darüber reden worum geht's eigentlich in der Oper?

00:02:31: Was passiert eben die Bretto mir ja magst du uns da mal einen kurzen Einblick geben?

00:02:35: Ja, also es geht um eine junge Frau die in einer Gesellschaft lebt, gut wie sie bei uns aufgebaut ist.

00:02:44: Da kommen wir dann später dazu die sehr hohe Erwartungshaltungen an Sie hat.

00:02:48: Sie ist sehr schön, sie ist jung und unter Anführungsstrichen Kurtisane innerhalb von dieser Welt sehr bekannt und verliebt sich in einen jungen Herrn der ihr sehr viele Dinge auf sehr kurzer Zeit schon verspricht und wird gegen den ganzen den Erwartungshaltungen der Gesellschaft um sie herum, bricht sie dann mit ihm aus und ist noch dazu schwer krank.

00:03:19: Das ist zum Teil ein Geheimnis.

00:03:21: Zum Teil wird das dann immer weiter durch also dringt es dann immer wieder durch und es endet dann eigentlich mit ihrem Tod und allen tut's.

00:03:30: dann.

00:03:31: am Schluss leidt und sie leidet ganz viel.

00:03:34: Also Violetta die

00:03:36: Haupt-Protagonistin

00:03:37: in der Oper hat Tuberkulose.

00:03:39: Verdi hat die Oper erstmals eighteenhundertdreiundfünfzig in Venedig auf die Bühne gebracht, da war das ja so eine Art Modekrankheit.

00:03:47: und was vielleicht bei Verdi sehr innovativ war ist dass er sich diesem aktuellen Thema gewidmet hat.

00:03:52: Das war damals schon etwas Besonderes oder?

00:03:55: Ja total.

00:03:55: also es hatte statistisch gesehen glaube ich jede dritte oder vierte Frau im Publikum auch Tuberkkulose, also das war ein hochbrisanter Stoff.

00:04:04: Die Personen, die Juma, also der Autor des Theaterstücks und Romanen porträtiert hat, haben alle noch gelebt.

00:04:12: Also es basiert wirklich auf historischen Figuren und bis auf die Vorlage für die Rolle der Violetta waren wirklich alle noch am Leben.

00:04:21: Also die konnten sich richtig angesprochen fühlen.

00:04:23: Es war sogar so präsent das es dann erst mal ein Skandal war dieses Leben auf der Bühne zu zeigen.

00:04:31: Und diese aktuelle Krankheit hat uns auch dazu veranlasst, uns zu fragen.

00:04:35: Was ist eigentlich unsere aktuelle Modekrankheit oder welche Krankheit im weitesten Sinne prägt unsere Gesellschaft?

00:04:42: Ja und wo seid ihr dann da hingekommen bei dieser Frage?

00:04:46: Wir haben das ein bisschen weitergefasst nicht nur Krankheit ganz physiologischen Sinne, sondern einfach auch kranke Konventionen.

00:04:54: und was macht uns als Gesellschaft krank?

00:04:57: Und sind da wirklich auf dieses gerade sehr aktuelle Schönheitsideal von Jugend gestoßen.

00:05:02: Also eine Gesellschaft die extreme Angst hat zu altern, die durch verschiedene Maßnahmen, die teilweise extrem sein können das Alternversuch zu konservieren

00:05:13: Okay, das ist irgendwie ein spannender Ansatz.

00:05:15: Inwiefern ist es denn überhaupt möglich?

00:05:18: So eine Oper die schon so viele Jahre auf dem Buckel hat und fester Teil des Cannons ist also wirklich neu zu erzählen, denn das klingt ja nach einer Neuerzählung.

00:05:27: Ja, das is eben der Spannende an dem Ganzen.

00:05:30: Also unser Ansatz war bei Lucia der gleiche.

00:05:34: Alte Stoffe so zu erzählen, dass sie heute noch relevant sind und das das Publikum was er mit anfangen kann.

00:05:40: Und das glauben wir zumindest ist in unserer Arbeit es uns sehr wichtig, dass man schon auch die Möglichkeit hat überhaupt auf einer Bühne zu inszenieren.

00:05:49: Was kann man gesellschaftlich damit bezwecken?

00:05:52: Was kann Man aussagen?

00:05:53: Was Kann Man vielleicht anregen Zu Denken Was kann man machen, damit Leute nicht nur sich eine Geschichte anschauen und anhören sondern auch das Gefühl haben es hat was mit ihnen zu tun.

00:06:06: Und vielleicht dann auch anzustoßen Sachen zu hinterfragen.

00:06:10: Ich kann mir vorstellen, dass das Ganze auch erst mal so ein Prozess war.

00:06:13: Den man so durchleben musste.

00:06:14: also ihr habt euch entschieden diese Opa zu inszenieren, zu gestalten und musstet ja erstmal eure Lesart dafür finden.

00:06:21: wie seid ihr denn überhaupt dahin gekommen?

00:06:23: So diesem Thema Altern- und Jugendwahn?

00:06:26: Und was hat es vielleicht mit der Hauptfigur der Opa mit der Violetta zu tun?

00:06:31: Ja, also der Titel ist ja nicht Violetta Valeri de Opa sondern eben La Traviata was eher die vom Wege abgekommene bedeutet ganz wortwörtlich.

00:06:39: Aber es bezieht sich schon auf sie?

00:06:41: Natürlich genau.

00:06:42: und wir haben uns dann halt gefragt wer ist heute eine vom wege abgekommene?

00:06:47: und für uns ist das auf jeden Fall ein Begriff der von außen vergeben wird als es niemand würde sich selber so nennen.

00:06:53: also die Gesellschaft steht in einem Verhältnis zu der Person die so genannt wird Gesellschaft eben welche, die vom Wege als vom Wegen abgekommen definiert werden.

00:07:05: Leute, die ausgeschlossen werden und die nicht im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Geschehens stehen.

00:07:10: Und dazu zählt ganz viel auch das Alter weil dass

00:07:13: auch

00:07:14: den Tod mit einbezieht und wir leben denke ich in einer Gesellschaft, die sehr sehr viel weiß und Angst vor Unbekannten immer noch hat.

00:07:23: Ich glaube es ist eine menschliche Kondition Und weil wir schon so viel wissen, ist der Tod eine große Unbekannte und alles was auf den Tod hinweist oder auch Vergänglichkeit des menschlichen Lebens schließen wir aus.

00:07:35: Oder verdrängen wir aus unserem Bewusstsein und ich finde auch viel mehr als noch vor hundert oder hundertfünfzig Jahren.

00:07:41: also alles was mit Krankheit zu tun hat wird ausgelagert Alles was mit Alter zu tun Hat und das hat uns dann eigentlich dieser Gedanke zu dem Thema geführt.

00:07:52: Ja, dann mein kleiner Zwischenapplaus an die Stadt Gera.

00:07:54: Eines unserer Pflegeheime ist mitten auf dem Marktplatz.

00:07:59: Das ist schon besonders glaube ich!

00:08:01: Das

00:08:02: kann man sich kaum vorstellen wenn man die Oper noch nicht gesehen hat wie so eine Geschichte ihr ändert nichts am Text Stimmt, wie so eine Geschichte ganz anders erzählt werden kann.

00:08:11: Aber ich sehe jetzt gerade erst mal ein leichtes Kopfschütteln.

00:08:13: Ihr ändert doch was im Text!

00:08:15: Wir ändern einen Wort.

00:08:17: Das hat tatsächlich nichts mit dem Alter zu tun oder der Krankheit wo wir etwas ändern sondern... ...mit dem Chor im zweiten Akt der Damen und da singen wir Neuseamotute Belle und nicht Neu-Siamo Singarelle.

00:08:32: Ich kann jetzt keine Anführungszeichen zeigen, aber ich habe es mit Anführungsszeichen gesagt weil das einfach ein Wort ist was viele Leute aus der Community der Sinti und Roma als abwertend empfinden und was auch im italienischen Sprachgebrauch in der italienische Geschichte eine abwertende Konnotation hatte und deswegen haben wir uns dafür entschieden dass Total unnötig ist dieses Wort zu sagen, gerade auch in unserem Kontext wo es ja wirklich um Schönheit geht und eine Schönheit behauptet wird von den Gästen die da auftreten.

00:09:03: Ja also quasi statt wir sind alle Zigeuner, wir sind alles schön, habe ich das richtig verstanden?

00:09:08: Wir sind alle schön!

00:09:09: Da steckt ja auch schon so ein kleiner Sarkasmus drin oder?

00:09:13: oder nicht.

00:09:15: Ja genau, ist ja schon darauf eingegangen dass wir uns auch gefragt haben was diese Gesellschaft ist die Violetta so ausschließt und das wir da auch in einen Extrem gehen einfach weil die Opa eine Form von Extremen ist und wie er eine Partygesellschaft zeigen die auf jeden Fall der Appaklas angehört die dieser Jugend sucht total verfällt.

00:09:38: also wir sehen Leute nicht auf einer Sektparty oder Eurem Sektempfang sich treffen, sondern die wirklich sogenannten Botox-Partys sich vergnügen.

00:09:49: Und das schlägt dann im zweiten Akt bei der zweiten Party bei Flora ein weiteres Extrem um und wir sehen die ganzen negativen Seiten, die auch durch misslungene Operationen und Behandlungen passieren können.

00:10:05: Das betrifft auch bestimmte Personen in der Handlung.

00:10:08: Wenn ich das richtig verstanden habe, ist Giorgio, also der Vater von Violettas geliebtem Alfredo, nicht nur einfach Giorgios Vater sondern auch CEO einer Schönheitsantiaging-Farmerfirma.

00:10:22: Sowas stellt ihr durch eigentlich Bildwelten auf der Bühne dar.

00:10:26: mir ja wie bist du da als Bühnen und Kostümbildnerin rangegangen um diese inhaltlichen Komponenten verständlich zu machen?

00:10:34: Also prinzipiell entwerfen wir Konzepte und auch die Bühnen- und Kostümideen eigentlich gemeinsam, also wir sind da immer ein sehr engem Austausch.

00:10:43: Und uns zwar beiden eigentlich wichtig vor allem mit großen Gegensätzen zu arbeiten um diese Welten gut erklären zu können und sichtbar zu machen.

00:10:54: Also uns war wichtig, diese Cleanness von dieser oberflächlichen Gesellschaft also die Oberflächlichkeit wirklich auch in die Bühne mit reinzubringen.

00:11:04: Von dieser Gesellschaft im ersten Akt vor allem und wir sind da dann eigentlich auf so eine Art Raumgestaltung gekommen.

00:11:13: Diese Mischung ist aus einem Wohnzimmer ungemütlichem Wohnzimmern einer extrem reichen Person Und gleichzeitig können sie auch eine Klinik sein.

00:11:25: Also wir haben diesen Schönheitsklinik-Ansatz schon dabei mit einer Art Schlachtvorhang hinten, so heißt es der dann diese Konservierung und dieses Nichtverschmutz also dass etwas nicht verschmutzt werden kann oder sollte.

00:11:40: Und gleichzeitig haben wir dann aber auch den Gegensatz auf der anderen Seite, die Bühne dreht sich wo dann eine Art sommerliche Wiese zu sehen ist.

00:11:50: Die dann eigentlich als Antithese zu dem vorderen Teil der Bühnen steht und dann im dritten Arsch noch mal eine Art abstrakte Zwischenwelt.

00:12:01: Und eben diese großen Bilder sind uns gerade bei dem Stoff wichtig, weil wir auch sehr ... also wir arbeiten sehr symbolisch mit dem Wort Vergänglichkeit.

00:12:11: Wir haben unsere Akte eigentlich auch in so drei große Themen eingeteilt im Sinne des Varnitas Motivs und sind da auch mehr Kunstgeschichtlichen oder auch zeitgenössischen Filmen

00:12:22: usw.,

00:12:23: ganz viele Inspirationen die wir da bekommen haben oder uns ausgesucht haben und haben dann anhand von dem probiert diese Bildwelt zu erschaffen, die ganz viel im Gegensetzen spielt und somit die Geschichte vorantreibt.

00:12:37: Das mit dem Vanitas Gedanken möchte ich gerne nochmal aufgreifen.

00:12:40: also dafür müssen wir vielleicht noch mal kurz über Violettas Werdegang reden.

00:12:45: Also sie ist zuerst eine gefeierte Persönlichkeit in dieser glamourösen Party- und Schönheitswelt.

00:12:52: Und mit Alfredo lernt sie den ersten Mann kennen, mit dem Sie sich wirklich vorstellen kann alt zu werden also auch im Sinne von zu altern der sie sieht wie sie als Mensch ist um nicht nur ihr Äußeres sieht.

00:13:03: das klingt jetzt ein bisschen cheesy Und dem stellt sich dann aber Alfredos Vater in den Weg, weil er Sorge um ja den Ruf seiner Sohn ist hat.

00:13:13: Violetta verlässt Alfredo wieder und wird irgendwie zurückgeworfen an diese Welt und das ist aber nicht mehr die gleiche.

00:13:19: Inwiefern zeigt sich da dieser Vanitas Gedanke?

00:13:22: Ja, also als alte Lateinerin habe ich natürlich alle drei Begriffe von Vanitas gelernt was sie auch deutlich bedeuten können.

00:13:29: Das ist eben Eitelkeit Vergänglichkeit und Nichtigkeit.

00:13:33: Genau diese drei Stadien durchläuft Violetta eigentlich durch die drei Akte.

00:13:37: Also der erste Akt ist noch sehr geprägt von dieser Eitelheit und von diesem Drang gesehen zu werden über das äußere auch wirklich den eigenen Wert zu schöpfen.

00:13:49: Und die Kehrseite von der Eitelkeit ist aber auch, dass sie extrem kurzlebig ist.

00:13:54: Also das es kein langanhaltender Wert ist, der sich wirklich erhalten kann.

00:14:02: und deswegen kann dann Violetta diese Verwandlung durch Alfredo vollziehen, dass Sie die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens was uns ja alle als Menschen eigentlich verbindet akzeptieren können.

00:14:15: also In diesem ganzen Naturparadies kann sie loslassen von dieser Eitelkeit aus dem ersten Akt, im Gegensatz dazu verdrängt die Gesellschaft diese Vergänglichkeit der Menschen.

00:14:28: Und der dritte Akt ist dann so eine Art wie Miriam schon meinte zwischen Welt, zwischen Leben und Sterben, zwischen irgendwie Erinnern und sich vorstellen und wünschen bei Violetta Und ist der Nichtigkeit gewidmet, also dass man wirklich akzeptieren kann als Mensch.

00:14:44: Dass der Tod und das Ende des Lebens die sozusagen vierte Verwandlung oder letzte Lebensstufe sind und aber eigentlich auch zum Leben dazu gehören und alles was wir vorher als materialistische Werte oder als äußere Werte hatten nicht dickes.

00:15:02: Also das ist sicher viel komplexer.

00:15:04: Aber ich stelle jetzt trotzdem die Frage am ende steht er tot sowieso,

00:15:09: aber

00:15:10: es ist auch so eine Art Befreiungsgeschichte vielleicht.

00:15:13: Muss man denn sterben um frei von gesellschaftlichem Erwartungsdruck zu sein?

00:15:18: Hoffentlich

00:15:19: nicht!

00:15:20: Das wäre schlimm!

00:15:22: Ich glaube jetzt ist ganz viel Mindset dabei.

00:15:26: ja ich meine... Man kann natürlich das Sterben in der Oper, je nachdem wie man es zeigt auch ein bisschen offen lassen.

00:15:37: Vielleicht stirbt Violetta am Schluss gar nicht sondern ist losgelöst von einer Gesellschaft wer weiß?

00:15:42: Im Endeffekt geht's darum dass alle sterben aber sicherlich nicht dass es der einzige Ausweg ist sondern dass es eher drum gehen sollte dass man irgendwann damit umgehen muss auch als Teil des Lebens zu akzeptieren und alle äußerlichen Werte, die da dabei sind nicht unbedingt nur als Weg zum Tod sondern auch als Weg des Lebens.

00:16:08: Er

00:16:10: arbeitet ja auch sehr stark mit Symbolik, also der Apfel spielt eine Rolle.

00:16:14: Auch der Apfel, wie er sagt Mama im Apfel, welk werden?

00:16:17: Wie er wählt wird, verschwumpelt?

00:16:19: Faul

00:16:20: vielleicht auch?

00:16:21: Habt auch bewusst Menschen ganz verschiedenen Alters mit in die Inszenierung einbezogen.

00:16:26: Auch bewusst ältere Frauen angefragt ob sie Teil der Inszenierungen werden möchten.

00:16:30: Warum?

00:16:31: Also unser Ansatz ist es, glaube ich auf jeden Fall oder das ist für mich mit das Wichtigste.

00:16:36: Dass jetzt nicht nur so ein intellektuelles Konzept ist was irgendwie gut auf dem Papier klingt oder in Podcasts sehr intellektual informiert sondern dass wir das auch sichtbar machen also dass man wirklich man kann sich reinsetzen und anschauen und man sieht diese Thematik Und der Apfel zum Beispiel ist einfach wie Miriam schon erwähnt hat aus der Ikonografie der Vanitas total prägend.

00:16:59: Also diese ganzen Vanitas Stillleben haben oft so vergammeltes Obst, das steht eben für die Vergänglichkeit des Lebens generell.

00:17:09: deswegen haben wir uns entschieden dieses Motiv auf jeden Fall zu wählen auch weil es popkulturell immer wieder auftaucht.

00:17:16: Keiner noch Schneewittchen zum Beispiel oder im Paradies sowieso der Apfel wo's ja auch mit dem Sündenfall der Frau verknüpft ist.

00:17:24: Das fanden mir auch eine interessante Komponente.

00:17:26: und zur zweiten Frage war es uns einfach wichtig, weil wir selber ja noch nicht unbedingt so alt sind, Experten in sozusagen mit einzubeziehen und auch diesem Missstand zu begegnen.

00:17:39: Das ist eigentlich gerade in der Oper und auch in anderen Theaterformen kaum Rollen für Ü-Fünfzigjährige gibt.

00:17:47: Also das ist dann entweder die Hexe oder die komische Mutter, aber es gibt eigentlich keine Hauptcharaktere, die ü-fünftig sind.

00:17:55: Genau!

00:17:55: Das hängt sicher mit der Stimmphysikomie auch zusammen, aber auch mit einem bestimmten Ideal was man auf der Bühne verkörpern möchte.

00:18:03: Ja, das betrifft ja nicht nur Frauen auf der Theaterbühne sondern zum Beispiel im Film.

00:18:08: Ist auch ein sehr wichtiges Thema und es ist auch ein gesellschaftliches Thema.

00:18:13: also als Theaterfabrik Frau die oft mit Leinen auf Theater macht arbeite ich gerade auch mit einer Gruppe von Frauen U-Sächsig zum Thema Schönheit vergeht nicht Und natürlich ist der Titel auch so bisschen provokativ gewählt weil Stimmt es denn?

00:18:29: Also, ist das so ein bisschen die Frage über welche Schönheit reden wir da eigentlich?

00:18:34: und ich finde das auch super spannend mit Experten zum Thema zu arbeiten.

00:18:40: mit Expertinnen, die auch sehr, sehr ehrlich sind.

00:18:43: Also ich bin ja auch noch keine Vierzig und so manche Fragen fallen mir schwer zu stellen.

00:18:49: also zum Beispiel die Frage zum Verschwinden wie soll ich es denn formulieren?

00:18:53: Sollte sagen uns seid ihr jetzt in der Gesellschaft verschwunden?

00:18:56: das ist irgendwie ein bisschen seltsam und wir haben darüber geredet und wird tatsächlich so erlebt.

00:19:04: Es ist

00:19:05: nicht irgend einen Mythos, den man sich erzählt.

00:19:07: nein Man wird anders gesehen als ältere Frau oder weniger gesehen.

00:19:12: Und trotzdem möchte man schön sein.

00:19:14: und trotzdem spielt das Thema Schönheit, die Frage wie wirke ich auf andere eine Rolle?

00:19:19: Wenn auch ne veränderte Rolle... Wie geht's euch denn da als Nicht-Expertinnen?

00:19:23: Also es ist ja ein Audiformat aber vielleicht für die Hörerinnen.

00:19:27: also ihr seid wirklich zwei schon sehr gut aussehende, ziemlich junge Frauen herauf!

00:19:32: Wie alt seid ihr beiden?

00:19:33: Anfang dreißig oder...?

00:19:35: Ja ich bin

00:19:36: achtundzwanzig.

00:19:37: Gab es denn da auch Gegenwind?

00:19:39: Also ich meine, man könnte jetzt auch sagen ihr wird mit euch am Thema von dem ihr noch gar keine Ahnung habt.

00:19:44: Also gegen Winter haben wir eigentlich gar nicht erfahren muss ich sagen.

00:19:48: Es ist vor allem in meinem Umfeld, also meine Mutter ist jetzt gerade sechzig geworden zum Beispiel und wir sind immer aufgewachsen mit ihren Freundinnen auch und Freunden.

00:19:58: Wir erwarten immer sehr intergenerationalnelle Freundschaften und da ist ein sehr schöner Austausch.

00:20:04: dann entstanden einfach um mal Erfahrungswerte auszutauschen Und weil mir die Frage so wichtig war, was passiert mit Frauen und Frauenkörpern?

00:20:13: Die ja in unserer Gesellschaft nicht neutral gelesen sind.

00:20:17: Wenn sie nicht mehr als erotische Projektionsfläche dienen... ...was sehr häufig mit den Norm-Schönheiten entsprechenden Frauenkörpern geschieht.

00:20:27: Genau!

00:20:27: Da ist eigentlich eher ein sehr interessanter Gespräch bei entstanden als Gegenwind.

00:20:34: Ja, und mit der Schönheit wie ist das denn jetzt also...?

00:20:37: Wenn man sich oberflächlich mit dem Thema beschäftigt, könnte man ja sagen scheiß auf Schönheit.

00:20:43: Das gibt wichtigeres.

00:20:44: aber mal ehrlich also ihr habt jetzt zum Beispiel auch einen Beruf in dem ihr euch tagtäglich auf irgendeiner Ebene mit Schönheit doch beschäftigt.

00:20:53: Also Musik kann Schönheit sein Kostüme, es geht nicht nur um Schönheit.

00:20:59: Aber es geht um eine gewisse Ästhetik und ich glaube, es gibt auch so ein menschliches Streben nach Schönheit, so in der Art Anziehungskraft.

00:21:08: Dass wir uns von schönem angezogen fühlen und vielleicht auch danach streben selbst schön zu sein.

00:21:14: ist das per se ungesund?

00:21:16: oder gibt es für euch irgendeine Möglichkeit eines Reframings von Schönheit?

00:21:20: Und wenn ja wie würde das aussehen für uns Frauen gerade?

00:21:23: Also ich glaube, Schönheit ist eben nicht gleich Ästhetik.

00:21:27: Ich glaube das jede Person sich damit beschäftigen könnte was für sie selbst unter Anführungsstrichen schön oder ästhetisch ist.

00:21:36: Ich glaub dass wir da beide also Elena und ich Nicht zwingend normschöne Sachen per se schön finden.

00:21:43: Wir haben beider einen Hang zu grotesken Bildern auch Und Sachen die vielleicht Also ein faulender Apfel wird wahrscheinlich niemand als schön bezeichnen, in Verbindung aber mit etwas Inhaltlichen kann es eben sehr schön etwas repräsentieren und eine Ästhetik zeigen.

00:22:02: Und so ist das auch mit Kostümen oder so.

00:22:05: Es ist nicht jedes Kostüm so schön dass man sich jetzt gerne anziehen würde wenn man sagt man sieht sich ja schön an sondern es geht darum einen Inhalt zu transportieren und die Ästetik hilft dem dabei.

00:22:20: Mir fällt da immer ein Buch ein, was ich früher sehr gern mir angeschaut habe von Umberto Eco.

00:22:26: Die Geschichte der Hästlichkeit, wo es eigentlich um die Repräsentationen von Hästlichkeit aber in der bildenden Kunst geht, die dann irgendwie durch die Darstellung wieder schön ist.

00:22:37: also das kommt auch immer aufs Framing an.

00:22:39: Ist interessant denn er hat ja auch die Geschichte der Schönheit geschrieben?

00:22:42: Ganz genau!

00:22:42: Das hat mich weniger interessiert.

00:22:48: Da geht es auch wieder um die Erwartungshaltung mit der Oper als Gesamtkunstwerk.

00:22:51: Es hat ja immer so hohe Ansprüche, dass alles immer toll und groß sein muss.

00:22:56: Und wenn man dann aber vielleicht sich traut ein paar andere Bilder noch einzubringen – wo wir natürlich nicht die ersten oder die einzigen sind.

00:23:04: Aber das macht auch Spaß auf einer großen Bühne auch unschöne Sachen zu zeigen und Leute mit etwas konfrontieren, was man vielleicht hinterfragen kann.

00:23:14: Im Endeffekt geht's ja um... eigentlich um einen Kapitalismus und Patriarchatkritik.

00:23:21: Was lasse ich gut verkaufen?

00:23:23: Und was ist eben ein Effekt, aber trotzdem da kommt immer drauf an wie man sieht ja

00:23:29: Und was auch für, also aus Regieperspektive natürlich super interessant ist sind Spielende die wirklich einen sogenannten Mut zur Hesslichkeit haben.

00:23:38: Also die sich nicht die ganze Zeit von außen beobachten und denken ah wie sieht das aber jetzt aus wenn ich das singe oder wenn ich dass jetzt mache sondern die wirklich sich trauen im Moment zu sein und dann eben auch mal Fratzen zeigen oder irgendwie hässliche oder von Außen hässlich konnotierte Situationen die aber dafür sehr viel momentaner sind und dafür sehr viele stärker spontaner auf der Bühne.

00:24:00: Macht ja auch Spaß sicher auch in eine andere Rolle, dann mal hinein zu versetzen die das Darf sich so verhalten darf und auch komisch aussehen darf weil es im Rahmen von der Oper oder vom Schauspiel oder was auch immer da erlaubt ist.

00:24:17: Denkt ihr gerade an eine konkrete Situation?

00:24:19: Boah also ich muss sagen dass eigentlich inklusive Chor Wirklich alle Mut zur Heslichkeit haben bei dieser Produktion, weil der Chor zum Beispiel eben diese jugendüchtige Gesellschaft ja porträtiert.

00:24:32: Die komplett überschminkt sind am Anfang.

00:24:35: es sind wirklich so Wimmelbilder die ganzen Chorszenen und die dann fast monsterhaft verunstaltet im zweiten Akt auftreten und das aber auch total mit ganz viel Enthusiasmus bespielen und genauso die Solistinnen, die jetzt keinem Schönheitsideal entsprechen von uns aus gesehen.

00:24:55: Und auch die Damen des philharmonischen Chores, die älteren Frauen repräsentieren.

00:25:00: also da muss ich sagen es ist sehr viel Uneitigkeit eigentlich in den Ausformbild.

00:25:05: Also nochmal zu diesem Thema, bis Glück der Schönheitsoperation.

00:25:08: Das gewinnt ja dann bei euch auch so eine Absurdität in dem Moment.

00:25:13: Inwiefern habt ihr es vielleicht trotzdem versucht zu vermeiden?

00:25:18: Den Finger auf Menschen mit den Fingern auf Menschen zu zeigen die eigentlich... Opfer dieses Systems sind, weil sie sich ihm hingeben oder weil sie diesen Schönheitsdruck beugen?

00:25:28: Ja.

00:25:29: Also es ist einfach auch zum Teil eine komediantische Auffassung wie wir das zeigen auf der Bühne.

00:25:35: also wir vermeiden da jetzt wirklich das Eis persönliches Problem von jemandem irgendwie so herausstechen zu lassen, sondern es geht darum dass es ist.

00:25:45: eigentlich sind das auch viele lustige Szenen wo die dann als diese verunstalteten Menschen daherkommen beziehungsweise verunstalten oder Leute die sichtbare Wunden in den Gesichtern haben.

00:25:55: Oder halt sehr große Lippen oder was auch immer.

00:25:58: also man darf's vielleicht nicht zu persönlich nehmen oder zu soll ich sagen Es geht sicher nicht darum, dass wir jemanden verurteilen der sich selber nicht schön findet und daran was machen lassen will.

00:26:12: Und da hat jeder Persones gute Recht dazu.

00:26:14: es geht uns eher um den gesellschaftlichen Druck der ausgeübt wird und die Problematik das es nicht sein muss und dass es teilweise vorausgesetzt wird um Teil von einer Gesellschaft zu sein.

00:26:25: Und auch das finde ich mir problematisch, dass eine Gesellschaft die es sich überhaupt leisten kann.

00:26:31: Das zu machen, das soweit vorantreibt, dass es irgendwann so normal wird und gleichzeitig andere Personen dann erst recht ausgeschlossen werden.

00:26:39: Aber wir haben ja schon mit sehr viel Humor gesehen – die Darstellung der Figuren.

00:26:44: Ja also gerade diese großen Chors-Szenen können auch mit einem Augenzwinkern angeschaut werden.

00:26:48: Man darf auch ruhig lachen obwohl es Tabiata ist Und gleichzeitig ist es trotzdem wichtig gewesen, dieses Pretty Privilege irgendwie zu zeigen.

00:26:58: Weil Violetta zu Beginn ja wirklich im Mittelpunkt davon steht und dafür auch bewundert wird.

00:27:04: Gleichzeitig leidet sie aber darunter, dass das der einzige Wert ist, der ihr beigemessen wird weil sie dadurch eben viel vergänglicher ist und viel panischer an dieser Schönheit festhalten muss.

00:27:14: Das äußert sich dann in so krankhaften Episoden, in denen ihre Angst vor dem Alter ein ganz deutlicher vortritt.

00:27:20: Ich denke, wir behandeln sozusagen beide Seiten in einer Absurdität.

00:27:25: Ja,

00:27:26: ihr

00:27:27: blickt ja auch ganz genau hin oder ladet auch das Publikum ein, genau hinzuschauen.

00:27:32: also es gibt zum Beispiel eine große Videoaufnahme von Haut als Landschaft.

00:27:37: Was wollt Ihr damit zeigen?

00:27:39: Oder wie verändert das vielleicht auch den Blick in diesen Moment auf dem menschlichen Körper?

00:27:46: Wir haben das Glück mit großen Projektionen arbeiten zu können, jetzt vor allem in Gerra.

00:27:50: Weil uns eigentlich auch das Problem bei... Bühne ist die Distanz dann oft.

00:27:58: Also man kann sehr schöne Sachen damit machen, aber gerade Sachen wie zum Beispiel diese Hautoberflächen sind natürlich nicht zichtbar auf zwei Meter schon nicht mehr und man sieht da keine Falten oder Strafverhaut oder was auch immer von den Personen auf der Bühnen.

00:28:12: Man muss da mit sehr großen Bildern arbeiten und mit den Projektionen hatten wir die Möglichkeit nahaufnahmen zu zeigen, die sehr bezeichnet stehen für diesen Vergänglichkeitsprozess eben alternde Haut.

00:28:24: Wir haben das auch in den Kostümen mit drin.

00:28:27: also wir haben da sehr viel über Oberflächen allgemein nachgedacht im ganzen Stück.

00:28:31: Und diese Oberflächen, also diese Hautoberflächen dann groß zu zeigen war für uns noch ein zusätzlicher Weg dieser Ästhetik und dieses Thema mit einer sehr alltäglichen Sichtweise eigentlich auch zu zeigen.

00:28:45: Weil das ist etwas was wir jeden Tag im Spiegel sehen wo wir uns ganz genau damit beschäftigen Wo wir uns mit Pflegeprodukten oder was auch immer einschmieren und ganz genau hinschauen.

00:28:56: und dann hat man es riesengroß auf der Bühne als ganz große Bilder wir beide sehr schön finden und die auch glaube ich ganz gut ankommen, deshalb macht einfach Spaß mit Dimensionen zu spielen.

00:29:08: Und da haben wir uns gedacht, die Haut als Thema in unserer Inszenierung hat eigentlich eine Projekte im guten Platz.

00:29:16: Also Falten am Close-Up kann der Fall auch schön sein?

00:29:20: Kommt es auf den Blickwinkel an?

00:29:22: Auf jeden Fall!

00:29:24: Das sind fast meine Lieblingsaufgaben Da auch glücklicherweise mit einer Frau zusammengearbeitet, die ganz offen mit uns diese Aufnahmen gemacht hat.

00:29:32: Also es sind zum Beispiel ganz lange Rückenaufnahmen oder sogar vom Dekolltee.

00:29:37: Die wird auch auf der Bühne zu sehen sein.

00:29:39: Das ist Frau Zitzmann und sie ist jetzt glaube ich sechsohnachtzig oder siemonachzig?

00:29:43: Und wir wirklich haben uns beide so ein bisschen schockverliebt weil wir das unglaublich schön fanden wie sie ausschaut... anzieht und aber dann auch die Aufnahmen wirklich diese zerbrechliche Intimität fast schon gezeigt haben, die so eine Haut, die viel erlebt hat einfach widerspiegelt.

00:30:02: Sie ist auf dem Plakat zu sehen mit dem die Inszenierung beworben wird und sie ist violettes Alter Ego richtig?

00:30:09: Ja genau also das war wieder die Frage wie zeigen wir diesen Alterungsprozess auf der Bühne?

00:30:14: und da haben wir eben die Damen des philharmonischen Chores dabei plus Frau Zitzmann, die einerseits die Angst von Violetta verkörpern sich diesem Alterungsprozess irgendwie hinzugeben und den als etwas sehr Menschliches zu akzeptieren.

00:30:30: Was vielleicht auch jeder kennt dass man sich mal über ein graues Haar oder über Fältchen ärgert und andererseits auch Freundschaft damit zu schließen.

00:30:38: also sie Violetta kann diesen alter Egos immer freundschaftlicher und immer versöhnlicher begegnen bis zu ihrem Tod.

00:30:47: Das haben wir ganz viel über Frauen geredet und man könnte vielleicht sagen, ja die Frauen haben eben ein Problem mit dem Alter werden.

00:30:54: Aber Miriam du hast vorhin glaube ich schon gesagt das ist eigentlich auch um also dass eure Inszenierung auch eine Kapitalismuskritik ist und es natürlich auch um das Patriarchat geht.

00:31:04: kannst du das nochmal genauer erklären?

00:31:06: Ja also ich glaub' dass die Kapitalismus-Kritik oder der Grund warum Kapitalistisches Problem sehen müssen ist eben die vor allem der Verkauf und das, die Frage wie man Geld mit etwas machen kann was eigentlich kein Problem ist.

00:31:22: Und wie man das zum Problem macht ums verkaufen zu können.

00:31:25: Unser Germain zum Beispiel in der Oper ist wie du da Forschung meintest.

00:31:29: der CEO von dieser Schönheitsfabrik ist jetzt wie Schönheitsklinik oder er verkauft dieses Protoks Zeug.

00:31:37: also so ganz genau haben wir es nicht festgelegt.

00:31:40: ja Mit fetten Logo auf dem Kühlschrank, auf Matem hat er seine eigenen Krankenschwestern.

00:31:47: Die supergut ausschauen mit logo auf ihren hautengen Krankenschwester-Kostümen drauf.

00:31:53: also es geht da ganz viel um den Verkauf und das Zeigen von Marken Und eigentlich dann auch mit Leuten, also so viel Überzeugungskraft zu haben und den Leuten einzureden.

00:32:05: Dass sie das machen müssen um dazuzugehören und eben umso mehr Leute das machen und so mehr Leute dazu gehören, umso eher das ein Prestige-Ding ist.

00:32:13: Umso mehr Menschen wollen das haben weil man dadurch nach außen hin sich irgendwie als jemand höher gestellt sein kann.

00:32:21: Was ist es was im Endeffekt alle wollen?

00:32:23: Eben dieser Aufstieg in der Gesellschaft und diese Selbstoptimierung ist ein Riesenproblem.

00:32:29: Und das ist wirklich eigentlich eine Struktur, die... auf keinen Fall eine allgemeine Gesellschaft zutreffen könnte, die sich vielleicht mit anderen Sachen beschäftigen wollen würde oder muss.

00:32:43: Weil sie sich das einfach nicht leisten kann in der Selbstoptimierung also so viel Zeit auch für sich selber zu verwenden um sich nur um sein Aussehen zu kümmern.

00:32:55: und deswegen glaube ich dass es ein ganz großes Problem ist was leider dem Kapitalismus zu schulden

00:33:02: Kommt.

00:33:03: Ja, und ich glaube Schönheitsideale wurden ja immer schon von der

00:33:06: Upper-Class

00:33:07: oder von der führenden Gesellschaft bestimmt.

00:33:10: also im Barock war es schön wenn man eher dickleibig war zum Beispiel weil man dadurch zeigen konnte dass man Geld hat viel zu essen oder das man eher blass ist weil man nicht soviel auf dem Feld arbeitet und solche Dinge.

00:33:27: Das heißt, dass es sozusagen auch wirklich eine Schönheitsgeschichte ist.

00:33:32: Auch eine Geschichte von Reichtum.

00:33:34: Uns Pondor dazu sind jetzt halt die Operationen oder die Osempic hat immer mit Geld zu tun.

00:33:43: Also Violetta findet am Ende ein Weg für sich?

00:33:46: Ist das für euch auch so eine Art universeller Lösungsweg den ihr dem Publikum aufzeigen möchtet?

00:33:52: Oder würdest du soweit nicht gehen?

00:33:54: Also es ist halt jetzt keine Moral oder sowas würde ich sagen, am Ende.

00:33:59: Aber ich finde es doch erstaunlich dass wir uns so doll in unserer Gesellschaft voneinander abgrenzen also innerhalb der Menschen wenn uns eigentlich das Thema Vergänglichkeit sehr viel näher rücken könnte.

00:34:13: Dass wir nun mal alle vergänglich sind egal wie lange wir uns selbst optimieren Vergänglichkeitsprozess konservieren können und wollen.

00:34:21: Am Ende seien es jetzt zehn Jahre Unterschiede oder so, sterben wir alle.

00:34:25: Und ich finde das könnte eigentlich ein viel kollektiverer Prozess sein, an dem wir uns auch offenbar gegenseitig...

00:34:32: Also ist nicht unbedingt die Lösung mehr Self-Love zu praktizieren sondern aus eurer Sicht vielleicht stärker zusammenzurücken in der Gesellschaft?

00:34:42: Beides wahrscheinlich!

00:34:44: sich einfach auch auszutauschen über solche Fragen, wie nimmst du das wahr oder führst du einen großen Druck irgendwie einem bestimmten Ideal zu entsprechen?

00:34:53: Da wirklich einfach auf vulnerable Gruppen mehr vielleicht Rücksicht zu nehmen.

00:34:58: Also Solidarität dann im Endeffekt auch und zusammenhalten.

00:35:02: Und wir zeigen das auch in der Oper.

00:35:03: eben dieser Zusammenhalt von dem philharmonischen Chor, der diese älteren Frauen in unserem Stück spielt die dann am Schluss eigentlich immer mehr zu den Freundinnen von Violettaren oder zu denen sie unterstützen obwohl es am Anfang noch Angst davor hat.

00:35:21: vielleicht ist das was man so ein bisschen mitnehmen kann davon.

00:35:25: Jetzt würde mich nach der regionale Blick interessieren.

00:35:28: Ihr habt ja auch Fotos gesucht von Menschen hier aus der Region, einmal mit ungefähr zwanzig und dann vierzig Jahre später.

00:35:36: also ihr habt bewusst einen regionalen Blick auf die Bühne gebracht und ihr seid ja nicht so oft in Gera oder Altenburg aber jetzt schon zum zweiten Mal sonst lebt ihr beide in Wien.

00:35:45: stimmts In der Zusammenarbeit mit den Menschen hier in der Region?

00:35:50: habt ihr da Unterschiede bemerkt, wie das älter werden oder dass schön sein wahrgenommen wird?

00:35:55: Oder ist es eher so ein Thema, das allen Menschen überall gleichermaßen beschäftigt.

00:36:00: Also in unserer westlich geprägten Welt sehe ich ja jetzt glaube ich keinen großen Unterschied.

00:36:04: Ich meine wenn man am Graben in Wien spazieren geht... Das ist die innere Stadt!

00:36:09: Da ist schon viel Geld auch sichtbar.

00:36:12: in den Gesichtern würde ich mal so sagen sozusagen den Grabenpondant habe ich jetzt in Gera noch nicht unbedingt gesehen.

00:36:19: Ich glaube die gibt es nicht.

00:36:21: Einfach das Thema Altern, wollten wir einfach auch in der Stadt mit zum Teil einfach mit betrachten und dass ist eigentlich wirklich was ganz normales ist, dass wir alle mal zwanzig waren und alle mal.

00:36:35: also glücklicherweise ist es ja auch ein Privileg alt werden zu können, sechzig vielleicht sein können.

00:36:40: Ja, an dieser Stelle insofern also ein Dank an alle Menschen die sich auch an diese Aktion beteiligt haben und ihr auch Fotos abgegeben haben.

00:36:46: Denn es ist ja schon so klein bisschen mutig auch finde ich.

00:36:50: Also ich denke wenn man aus der Inszenierung rausgeht dann hat man auf jeden Fall eine tolle Oper erlebt hat, tolle Musik erlebt hat.

00:36:59: Auch ein bildgewaltiges Stück gesehen.

00:37:02: wünscht ihr euch darüber hinaus noch etwas?

00:37:05: Mit was sollen die Zuschauerinnen oder... und die Menschen, die die Opern gesehen haben rausgehen.

00:37:11: Also wir wollen auf jeden Fall dass sich Leute unterhalten über das Thema.

00:37:15: Es ist uns ein Anliegen, dass es nicht nur angeschaut wird und dann wieder vergessen wird.

00:37:22: Wir wollen deshalb auch manche Sachen offen halten weil wir glauben, dass die Kommunikation wichtig ist, dass das Opener Leben etwas Gemeinschaftliches sein kann Und wir wünschen uns auf jeden Fall, dass vielleicht bei der Primärenfeier oder sei es in der Pause im Foyer die Leute sich vielleicht ein bisschen austauschen und vielleicht über ihre eigenen Schönheitsideale sich austauschern können.

00:37:45: Und auch vielleicht ein bissel darüber nachdenken wie schön das sein kann, wenn's funktioniert lange lebt Verfallszustände vielleicht dann zum Teil auch nicht zu schlimm sind und sehr viel Schönheit in sich tragen können.

00:38:04: Das glaube ich,

00:38:05: ja.

00:38:06: Und was also was ich auch schön finde ist einfach dass das bestimmt eine Oper ist in die viele mit Erwartungen gehen, die wir sicherlich brechen und dass durch diesen diesen Erwartungsbruch aber vielleicht wirklich auch neue Gedanken an Stöße gegeben werden können die, wie Miriam dann sagt zu wirklich so Gesprächen führen.

00:38:26: Das finde ich auch sehr schön!

00:38:27: Also neue Gedanken und neue Gespräche ist aus meiner Sicht sowieso eine der ganz großen Chancen von Theater.

00:38:34: Ja, also danke dass ihr die auch jetzt in diesen Maße ergreift und hiermit einbringt.

00:38:39: Und vielen Dank euch für das schöne Gespräch und für die vielen Einblicke!

00:38:43: Wir bleiben auch im Gespräch.

00:38:44: ich lade schon mal ein zur nächsten Folge Theater to go.

00:38:47: Im November geht es um die Schneekönigin mit unserem Thüringer Staatsballett eines der bekanntesten Märchen von Hans Christian Andersen Mit Musik von Peter Tchaikovsky Und da werde ich mit unserem Ballettdirektor

00:39:01: Vitaly

00:39:02: Petrov im Gespräch sein.

00:39:04: Ich sage

00:39:04: nochmal danke und tschüss, bis bald!

00:39:06: Danke auch!

00:39:07: Danke für die Einladung, tschüß!

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